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Anton Cechov  |  Frühe Erzählungen in zwei Bänden 1880–1887  |  Erzählung, Hardcover Leinen, 1152 Seiten | € (D) 45.90 / sFr 81.90* / € (A) 47.20

Erzählung, Hardcover Leinen, 1152 Seiten
Erschienen in Nov. 2002

ISBN 978-3-257-06320-2
(D) 45.90 / (A) 47.20
sFr 81.90*
* unverb. Preisempfehlung

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Anton Cechov
Frühe Erzählungen in zwei Bänden 1880–1887

Aus dem Russischen von Peter Urban und Beate Rausch

Die Neuentdeckung Anton Cechovs geht weiter: mit Erzählungen aus dem Frühwerk, die meisten davon erstmals deutsch.

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›Früher habe ich geschrieben, wie mir der Schnabel gewachsen war. Es schrieb sich von selbst. Eine Skizze, Erzählung oder kleine Szene zu schreiben, kostete mich keine Mühe. Ich hüpfte wie ein junges Kalb oder Fohlen, das man hinausgelassen hatte in den freien und hellen Raum, sprang, schlug aus... Ich lachte und brachte die Umwelt zum Lachen. Ich nahm das Leben und zauste es, ohne darüber nachzudenken. Mir war heiter zumute, und was herauskam, muss für andere sehr komisch gewesen sein. Ich greife heute manchmal zu den früheren Erzählungen, lese sie und muss sehr lachen. Dann denke ich: ›So hast du mal geschrieben!‹‹ Anton Cechov war offen für alles. In seinen frühen Moskauer Jahren tobte er sich stilistisch aus, ohne dabei seine Vorbilder Turgenjew und Puschkin aus dem Auge zu verlieren. Mit diesen Erzählungen hat der deutsche Leser erstmals die Möglichkeit, Einblick zu bekommen in die experimentelle Phase eines Autors, der sich später viel disziplinierter und sparsamer verhielt.

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»Peter Urban hat rund einhundertzwanzig der frühen Erzählungen Cechovs aus den Jahren 1880 bis 1887 versammelt, darunter viele bisher ins Deutsche nicht übersetzte. Auf über tausend Seiten kann man die Werkstatt eines Junggenies der Nüchternheit, eines literarischen Medizinalassistenten der russischen und der bürgerlichen Gesellschaft überhaupt durchwandern. Es ist kühl und frisch dort. Manchmal schaudert es einen ein bisschen. Immer aber ist man entzückt über den rezeptlosen Doktor: Er stellt die Diagnosen. Und die häufigste heißt: Lebens- oder Liebeslüge. Eine Therapie stellt er nicht in Aussicht. Herrlich kann man durch dieses Desillusionserzähltheater streifen und aus den Logen des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts zuschauen, wie böse uns das neunzehnte noch immer spiegelt.«Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Wenn der Diogenes Verlag, in Peter Urbans oft gepriesener Übersetzung, nun erstmals den frühen Cechov auf Deutsch präsentiert, ist das mehr als die Vollstreckung literarischen Kanons. Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Die kurze Form hat unter jungen Schreibenden Konjunktur, seit Jahren ist sie die bevorzugte Disziplin und natürlicher Zwischenschritt auf dem Weg zum großen Wurf. Cechov könnte da helfen. Seine frühe Massenproduktion wirkt aus heutiger Sicht, aller Zeitgeistigkeit entbunden, wie eine in Form gegossene Auflistung der Kardinaltugenden kurzer Geschichten. Cechov lesen heißt Regeln lernen. Handwerkspraxis. Ein Einmaleins des kleinen Wurfs. Cechovs Geschichten handeln von selbstverschuldeter Unmündigkeit. Darum geht es: Überheblichkeit, Dünkel, Mißgunst, gepaart mit Feigheit, Ruhmsucht, Heuchelei. Alle Eigenschaften, mit denen sich die Menschen das Leben schwer machen. Solche Literatur ist immer aktuell. Sie ist realistisch. Und sogar ein bißchen moralisch. Eine großartige Sammlung.«Die Welt

»Also früher Cechov pur? Es wäre so, wenn der junge Autor diese Humoresken und Satiren im eigenen Auftrag geschrieben hätte. So war es nicht. Aber augenscheinlich hat er sich keinen Zwang antun müssen, um den Erwartungen seiner Auftraggeber entsprechen zu können. Das Genre lag ihm. Sein Einfallsreichtum, seine Freude am Wortspiel und an witziger Anspielung und seine ausgeprägte Begabung, anderer Leute Sprech- und Schreibweisen parodistisch nachzuahmen, prädestinierten ihn für das uneigentliche Gewerbe des Humoristen. Er sei, meinte er später mit freundlciher Selbstironie, als Zeitungsschreiber ›herumgesprungen wie ein junges Kalb, das man auf die freie Wiese gelassen hat‹. Daß sie umzäunt war, daran hat sich das ›Kalb‹ kaum gestoßen. Statt über die Stränge zu schlagen, begnügte und vergnügte es sich damit, alle ihm möglichen Sprünge zu vollführen: kraftvolle, gewagte, ulkige, manchmal auch alberne, und mitunter gelangen ihm erstaunliche, sozusagen oberiutische Voraus-Sprünge, die glauben machen könnten, es habe nicht Cechov geheißen, sondern Charms. Oder so: Der frühe Cechov hat das Gebot, sich kurz zu fassen, als Herausforderung angenommen, seinen begrenzten Spielraum in ein Varieté zu verwandeln, das die Weite und Vielfalt humoristischer Darstellungsmöglichkeiten vorführt. Im Repertoire der von ihm genutzten kurzen Formen fehlen, wie er selbst befand, nur ›Gedichte und Denunziationen‹. In der Tat: Von A wie Anekdote bis Z wie Zirkular läßt sich zu jedem Buchstaben des Alphabets, Q,X und Y ausgenommen, mindestens eine Textsorte nennen, die in Urbans Auswahl beispielhaft vertreten ist.«Süddeutsche Zeitung

»Der jetzige Klassiker Cechov hat einen väterlichen Anteil an jenen Formen der russischen Literatur, die wir als Avantgarde kennen. Sein skurriler Humor, seine stilistische Kühnheit, seine Aus- und Einfälle ins Abstruse, Abgründige, leiten direkt zu Daniil Charms et alii.« die tageszeitung

»Jedes Wort, das der junge Cechov setzt, verrät künstlerische Innovationskraft.«Neue Zürcher Zeitung

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