Honoré de Balzac (* 1799 in Tours, † 1850 in Paris) war ein unverbesserlicher Optimist. Seine Hoffnung, durch Heirat zu Geld zu kommen, zerschlug sich jedoch immer wieder. Bis er kurz vor seinem Tod die polnische Gräfin Eveline Hanska ehelichen konnte. Ein märchenhaftes Happy End für ein abenteuerliches Leben. Berühmtberüchtigt war sein Lebensstil auf Pump: Möbel aus Mahagoniholz, ausgefallene Spazierstöcke, gelbe Glacéhandschuhe und ein Hinterausgang, um den Gläubigern zu entkommen. Berühmtberüchtigt auch sein Arbeitsfuror: In eine Mönchskutte gehüllt und wachgehalten von schwarzem Kaffee, schuf er das gewaltigste Romanwerk überhaupt: die ›Menschliche Komödie‹, ein Universum von 1300 Figuren und ihren Geschichten.
»Balzac schuf mit den über siebzig Bänden des Riesenepos der ›Menschlichen Komödie‹ ein unerhört breites, atemberaubend weit verästeltes Gesamttableau seines Zeitalters und seiner Gesellschaft, das vom Zentrum Paris bis in die Provinz, bis über die Grenzen Frankreichs hinausgreift. Ein Panorama der großen Leidenschaften, der Nervenkrisen und Liebessehnsüchte, der Idole und Ideale seiner Epoche, der Juli-Monarchie unter dem Bürger-König Louis-Philippe, prall gefüllt mit Schicksalen und Typen, mit einem geradezu enzyklopädischen, in seinen Ausmaßen nach wie vor mirakulösen Wissen von allem und jedem.«Welt am Sonntag
»Die beste Figur aus seinen Romanen könnte er selber sein: maßlos im Genuß und in der Verschwendung, ein Siegertyp mit falschem Adelstitel, der sich charmant über den Abgrund schwindelt, und doch ein ewiges Kind, das seine hungrige Seele in einem feisten Körper verbarg. Ein Gips-Napoleon stand auf seinem Schreibtisch, in dessen Sockel er den Satz geritzt hatte: ›Was seinem Degen nicht gelang, will ich mit der Feder erreichen.‹ Am Ende hatte er die Welt nicht besiegt, sondern neu erschaffen.«Focus
»Mit der Feder wollte er vollenden, was Napoleon mit dem Schwert begonnen hatte: die Eroberung der Welt. Zwar wurde auch Balzac nicht ganz fertig mit seiner ›Comédie humaine‹, aber er hinterliess doch das kompletteste Universum, das je ein menschlicher Kopf erdacht hat: 91 Romane, die mehr als 13'000 Seiten umfassen und 2472 Personen auftreten lassen. Balzacs Welt lebt.«Neue Zürcher Zeitung